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“Wie kann ich Remis annehmen? Ich weiß ja gar nicht, wie ich stehe!”
— Fritz Sämisch

Wie Kinder Schach spielen lernen - Die Stappenmethode

aus "Schach lernen. Handbuch für Schachtrainer Stufe 1
von Rub Brunia/Cor van Wijgerden
mit freundl. Genehmigung von Cor van Wijgerden

Das Schachspiel übt eine enorme Anziehungskraft auf Kinder aus. Sie sind fasziniert von der Form  und der Bewegungsmöglichkeit der Figuren. In diesem Spielt bestimmt eigenes Können den Spielverlauf. Die Faktoren "Glück" und "Pech" wie beim "Mensch ärgere dich nicht" haben hier keine Bedeutung mehr. Und daher macht den Kindern dieses Spiel so viel Spaß ...

Voraussetzungen für den Schachunterricht 
Schachbretter und Figuren

Die Figuren, die die Kinder benutzen, sollten möglichst groß sein, eher größer als normal. Die Idee, dass Schachfiguren für Kinder auch verhältnismäßig klein sein sollten, beruht auf einem Mißverständnis. Größere Figuren fördern die Erkennbarkeit und Handlichkeit, was umso wichtiger ist, je jünger die Schüler sind. Das Brett sollte der Größe der Figuren entsprechen, und am Brettrand müssen sich kleine Buchstaben und Zahlen befinden. Die ganze Stunde lang sollten die Kinder ein eigenes Brett zur Verfügung haben.


Ein Demonstrationsbrett mit Figuren oder eine digitale Schultafel

Beim Gruppenunterricht mit mehr als vier Kindern wird ein Demonstrationsbrett benötigt, vorzugsweise ein großes Brett (ca. 110 x 110 cm), das irgendwo stehen oder aufgehängt werden kann. Am praktischsten wäre ein magnetisches Brett" ...  

Eine Schultafel oder etwas ähnliches, worauf man schreiben kann
Es ist von Vorteil, wenn der Lehrer wichtigsten Dinge einer Stunde aufschreiben kann.

Hilfsmittel, mit denen Felder auf dem Demonstrationsbrett
und den  normalen Brettern markiert werden können

Unbedingt erforderlich sind Hilfsmittel, mit denen Felder und Aktionen markiert werden können. Für  das Demonstrationsbrett eignen sich farbige Magnete oder ein Marker (bei einem abwischbaren Brett) am besten. Für die Bretter der Kinder eignen sich farbige Spielmarken (Fiches), für die Arbeitsbücher Buntstifte.

Der Platz der Kinder
Eine angenehme Anordnung bei kleinen Gruppen ist ein Halbkreis oder eine Hufeisenform um das Demonstrationsbrett herum. Alle Kinder können bei einer derartigen Anordnung gut sehen, und der Schachtrainer hat einen guten Überblick  über die Bretter der Kinder. Er kann jederzeit zur Kontrolle oder Hilfe zu einem willkürlichen Brett laufen. ...

Einteilung der Schachstunde

Kinder spielen gerne Partien. Darauf gehen wir ein, indem wir die Stunde unterteilen in einen Unterrichtsabschnitt und einen Spielabschnitt, wobei letzterer länger Dauern darf,Bei einer festgelegten Dauer des Unterrichts und auch des Spielabschnitts bleibt die Begeisterung der Kinder erhalten, auch wenn schwierige Themen behandelt werden. ...

Wer gibt Schachunterricht?
 In der Theorie kann jeder, der selbst Schach spielen kann, auch Schachunterricht geben. Neben der Kenntnis des Regeln ist es natürlich wichtig wie gut man (auch auf dem richtigen Niveau!) erklären kann. ... Der ideale Dozent ist sicherlich der Lehrer, der daneben auch noch gut Schach spielen kann. Leider ist die Arbeitsbelastung auf fast allen Schulen hoch und Lehrern fehlen dadurch Zeit und Energie. In der Praxis hat sich gezeigt dass Schachspieler, die gerne Unterrichten, auch gute Trainer sind. Für diese Gruppe wurde 1987 die erste Ausgabe dieses Handbuchs veröffentlicht. Seither gebrauchen auch Lehrer und Eltern das Buch. Es ist für alle Schachlehrer empfehlenswert, sich in den ersten Jahren eng am Handbuch zu orientieren. Schachunterricht ist mehr, als nur einfach die Spielregeln zu erklären.  

Wie gut muss man Schachspielen können? 
Es ist nützlich wenn Sie eine ganz gute Spielstärke haben. Für Stufe 1 ist es jedoch wichtiger, dass der Unterrichtende das Anfängerschach versteht. ...Der Vorteil eines Unterrichtenden, der selbst kaum Schach spielen kann ist, dass er begreift, was schwierig ist. Stark spielende Eltern können sich das nicht gut genug vorstellen und gehen oft zu schnell voran. Gute Schachspieler realisieren nicht so leicht, dass allein das Automatisieren der Gangart der Figuren lange dauert. Wissen bedeutet noch nicht automatisch auch Können. Das kostet Zeit. ...

Motivation 

Kinder wollen aus den unterschiedlichsten Gründen Schach spielen lernen. Sie finden es faszinierend, wie sich die Klötzchen auf dem Schachbrett hin und her bewegen. Auch ihre Umgebung hat großen Einfluss: Der Lehrer möchte es, oder Opa spielt so gerne. Ihre Ursprüngliche Motivation ist also vielfach Neugier, Eine kurzweilige Angelegenheit. Die folgenden Punkte sind zu beachten. Wir müssen:
       • stets etwas Neues anbieten
       • die Fähigkeiten des Kindes erhöhen

Die Freude des Kindes am eigenen Können hält sein Interesse wach. In einem späteren Stadium treten andere Aspekte wie der Wettkampf, das Kräftemessen und das Verständnis für den eigentlichen Charakter des Schachspiels in den Vordergrund. Zu Beginn des Schachunterrichts müssen wir vor allem darauf achten, dass die Motivation der Kinder erhalten bleibt oder sogar erhöht wird. ... 

Unterrichten 
Wir wiederholen es noch einmal. Unterrichten? Reicht es nicht einfach, die Regeln zu lehren und weiterhin die Kinder alles selbst entdecken zu lassen? Minimale Begleitung also. Dieser Weg des geringsten Widerstands wird leider zu oft gewählt. Es ist Utopisch zu glauben, dass Anfänger fast alle Regeln, Konzepte und Fähigkeiten, die sie lernen müssen, selbst entdecken werden. Stattdessen müssen wir ausdrücklich neu Gelerntes erklären, wie es funktioniert, was zu tun ist und wie. Die Schüler üben anschließend und erhalten Feedback zu ihrer Arbeit. 

Die Lektionen in diesem Handbuch sind ausgearbeitete Beispiele. Jeder Schritt wird erklärt: Erkennen der Figuren, welche Gangart hat eine Figur, welche legalen Züge sind möglich, ist der Zug gut oder falsch, uswe.  Dies ist notwendig, da der Anfänger noch nichts weiß. Unterrichten ist nicht einfach, schon gar nicht für einen unerfahrenen Lehrer. Er muss sich mit dem Lehrstoff und den Kindern herumschlagen und muss selbst sehen, wie er den Lernprozess in gute Bahnen verlaufen lässt. Nur von der Seite zuschauen und die fertigen Lektionen dieses Handbuches zu verwenden genügt nicht. Man muss genau wissen, was man tut.

Der Aufbau des Lernstoffes
In welcher Reihenfolge sollte der Schachlernstoff abgehandelt werden? Viele Lehrbücher wählen eine Vorgehensweise, die ziemlich schnell den eigentlichen Zweck des Spieles behandelt. Wir behandeln mattsetzen erst in Lektion 7. Warum? Matt ist ein Begriff für den die Schüler mehr Ahnung haben müssen von der Gangart der Figuren, von Angriff und Verteidigung. Allein schon die Verteidigung vollkommen zu beherrschen erfordert ein ganzes Stück Arbeit. Die einzelnen Abschnitte des Lernstoffes bauen inhaltlich aufeinander auf. Der Schüler muss jeden Abschnitt für sich erst vollständig beherrschen, bevor er den folgenden mit Erfolg meistern kann. Daher macht es wenig Sinn mit dem Begriff Mattsetzen zu beginnen, bevor nicht die vorhergehenden Voraussetzungen vollkommen beherrscht werden.

Der Aufbau der ersten Stufe
Der logische Aufbau der ersten Stufe resultiert aus folgenden Punkten.

1. Die logische Notwendigkeit
Bevor das Matt behandelt wird, muß die Gangart der Figuren, die Formen der Verteidigung, das Schlagen, Schach und Schach parieren verstanden worden sein.
2. Die Gewichtung der Spielregeln
Mattsetzen ist das Ziel des Spiels, daher sollte sobald als möglich damit gearbeitet werden. Wenn auch einige Lehrer dazu neigen erst alle möglichen Spielregeln zu erklären, braucht z.B. die Rochade vorerst nicht durchgenommen werden. Die Kinder wollen Partien spielen.
3. Variation und Abwechslung
Lektionen mit ähnlichem Inhalt sollen nicht nacheinander gegeben werden. Eine Lektion wie die Gangart der Bauern wird deshalb nicht unmittelbar im Anschluß an die Lektion gegeben, die die Gangart der Figuren behandelt.
4. Alter und Niveau der Schüler
Bei jüngeren Kindern und in schwächeren Gruppen kann zum Beispiel der zweifache Angriff zu einem späteren Zeitpunkt durchgenommen werden.  

Der Aufbau einer Schachstunde

Der Aufbau einer einzelnen Schachstunde sollte folgende Prinzipien berücksichtigen:  
1. Vom Konkreten zum Abstrakten
Die Regeln werden durch konkrete Beispiele erläutert.
2. Vom Leichten zum Schweren
Die Gangart der Türme ist für ein Kind leichter zu verstehen, als die der Springer, daher werden die Türme vor den Springern durchgenommen. Die Bauern scheinen zwar in ihrer Handhabung einfach, in ihrer Gangart sind jedoch eine Reihe besonderen Regeln zu beachten (der doppelte Zug, gerade ziehen / diagonal schlagen, nicht nach hinten ziehen und die Umwandlung), daher werden die Bauern später behandelt.
3. Zuerst das Wichtige
Die Spielregel  "En passant"-Schlagen ist für die Partie der Kinder nicht wichtig. Daher wird diese Regel an das Ende der ersten Stufe gestellt (und auch das nur, weil sie eine Spielregel ist). Beim Decken werden die direkten Varianten vor den indirekten erläutert.
4. Vom Einfachen zum Komplexen
Zuerst wird mit den Figuren mattgesetzt, die gedeckt am Brettrand stehen, erst danach werden Mattstellungen mit mehr als zwei Figuren und in der Mitte des Brettes gezeigt.
5. Von den allgemeinen zu den besonderen Regeln
Zuerst wird die Verteidigung behandelt und erst dann "Schach parieren" (das Letztere ist leichter!) 6. Zuerst die einfachen Begriffe So wird zuerst das Decken und dann erst das Dazwischenziehen behandelt, bei dem die dazwischenziehende Figur gedeckt sein muss.  

Aus dem Inhatsverzeichnis - Basis Lektionen

Basis Lektionen
Lektion 1: Brett und Figuren
Lektion 2: Gangart der Figuren
Lektion 3: Angriff und Schlagen
Lektion 4: Der Bauer
Lektion 5: Verteidigen
Lektion 6: Schach
Lektion 7: Matt
Lektion 8: Matt
Lektion 9: Die Rochade
Lektion 10: Vorteilhafter Abtausch
Lektion 11: Zweifacher Angriff
Lektion 12: Remis
Lektion 13: Mattsetzen mit der Dame
Lektion 14: En-passant-Schlagen
Lektion 15: Die Notation   

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

Deutsche Seite der Stappenmethode NL
Deutscher Vertriebspartner der Stappenmethode  

 

 

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Details

Schach-Fakt

Ein Simultanspiel der ungewöhnlichen Art fand im Jahr 1999 statt. Hape Kerkeling spielte verkleidet als iranischer Schachmeister gegen Spieler des Schachklubs FC Bayern. Ihm half die damals 14jährige Elisabeth Pähtz, die ihre Züge via Funk an Kerkeling übermittelt.