“Die Beherrschung einer offenen Linie durch einen Turm oder gar durch beide Türme bedeutet einen großen Vorteil, besonders wenn es die einzige offene Linie ist und der Gegner sie nicht ebenfalls mit einem Turm besetzen kann. Hat man eine offene Linie besetzt, dann sucht man natürlich die Opposition des feindlichen Turmes zu verhindern, indem man noch eine schwere Figur auf die Linien bringt.”
— Siegbert Tarrasch

Bericht vom Schulschachpatent-Lehrgang am 11. und 12.3.2017 in Hamburg

(von Horst Hardebusch)

Nach der völlig überraschenden Verpflichtung als Leiter der Schach AG an der Trogata GGS Asselbachschule in Spich habe ich mich kurzfristig zum Wochenendseminar der Deutschen Schulschachstiftung „Lehrgang zum Erwerb der Schulschachpatents“ in Hamburg angemeldet um meine pädagogischen Defizite etwas aufzuarbeiten.

In der Ausschreibung wurden keine Voraussetzungen für die Teilnahme gefordert. So fand sich ein bunt gemischtes Grüppchen von 17 Teilnehmern einer Gruppe von Schachspielern, darunter ein leibhaftiger Fidemeister und Vereinsfunktionären standen einige Lehrer(innen), Mütter von schachspielenden Kindern und sonstigen Interessenten gegenüber. 

Die Kursleiter Boris Bruhn (Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes) und Detlef Lemke (C-Trainer, AG -Leiter an der GuGS Pinneberg) schafften es tatsächlich, diese inhomogene Gruppe zwei Tage zu fesseln ohne die schwachen Schachspieler zu überfordern oder gar zurückzulassen. 

Alle vorgestellten Methoden ähneln sich im pädagogischen Ansatz: Langsam, Schritt für Schritt werden die Elemente eingeführt. Zuerst nur der Turm, dann der Läufer , die Dame, der König. Dem Springer wird als letzter Figur besonders viel Platz eingeräumt. Und dann endlich die Bauern. Mit Übungen und kleinen Spielen wird das Gelernte angewendet und vertieft. Erst wenn die Kinder das Erlernte sicher anwenden können wird der nächste Schritt gemacht. Diese bedächtige Vorgehensweise hat natürlich zur Folge, daß es lange dauert, bis die Kinder „richtige“ Partien mit allen 32 Figuren spielen können oder gar an einem Turnier teilnehmen können. 

Eine Arbeitsgruppe – überwiegend besetzt mit erfahrenen Schachspielern – stellte den Entwurf eines Rahmenlehrplans für etwa ein Jahr vor, der eine deutlich schnellere „Turnierreife“ anstrebte. Dieser Ansatz wurde von den im Grundschulbereich tätigen Teilnehmern aber einstimmig als für eine normale Grundschulgruppe von etwa 12 Kindern als illusorisch eingeschätzt.

Weitere Arbeitskreise befassten sich mit den Themen "Differenzierung in der Gruppe", "Qualitätssiegel Deutsche Schachschule" und "Einrichtung einer Schulschach-AG".

Mein persönliches Fazit: Eine rundum geglückte Veranstaltung, die mir viele neue Ideen vermittelt hat und von der ich und meine Schachkinder sehr profitieren werden. Schade, daß die Seminare der Deutschen Schulschachstiftung in NRW noch kaum (bisher wohl nur gelegentlich in Dortmund) angeboten werden. Interessenten aus unserer Region müssen daher leider eine längere Anreise in Kauf nehmen.

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Die Anzahl der verschiedenen möglichen Stellungen nach den ersten Zügen in einer Schachpartie:
1. Zug Weiß20
1. Zug Schwarz 400
2. Zug Weiß5.362
2. Zug Schwarz 71.852
3. Zug Weiß810.000
3. Zug Schwarz 9.130.000